Jahresbericht 2020

Lesen Sie unseren vollständigen Jahresbericht 2020 hier.

 

Hören und Sehen Sie sich die Austrittsinterviews von drei Mitarbeitenden auf unserem YouTube Kanal an.

 

Wir betreuten oder begleiteten 2020:

167 Kinder in 76 Familien im ambulanten Bereich

127 Kinder im stationären Bereich, davon 32 Notaufnahme-Kinder

59 Kinder aus 46 Familien während den Begleiteten Besuchstagen BBT

insgesamt also 353 Kinder aus 234 Familien

 

256 Mitarbeitende arbeiten bei uns:

200 Pflegeeltern in 100 Pflegefamilien mit 7 Mitarbeitenden in Pflegefamilien

8 Mitarbeitende Begleitete Besuchstage BBT und 1 Reinigungsfachperson

40 Mitarbeitende auf der Geschäftsstelle: pädagogische Leitungen, Familienarbeiterinnen, Administration, Geschäftsleitung

 

Unsere Jahresberichte

 

Jahresbericht 2020

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Jahresbericht 2019

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Jahresbericht 2018

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Jahresbericht 2017

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Bericht Pflegekinder-Aktion Zentralschweiz 2020

Das Jahr 2020 war ein spezielles Jahr.

 

Geprägt von der Coronakrise wurde von unseren Mitarbeitenden noch mehr Flexibilität und situatives Handeln gefordert. Mit viel Disziplin haben sie es geschafft, die Herausforderungen im Arbeitsalltag trotz Homeoffice und digitalen Sitzungen zu bewältigen. Ich bin überzeugt, dass dies nur möglich war, weil unser Leitbild und die zur Umsetzung gehörenden Instrumente allen präsent sind und auch damit gearbeitet wird. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass eine transparente Kommunikation und ein gemeinsames Tragen von Verantwortung sehr wichtig sind. Da gerade in unserer Institution persönliche Begegnungen und Absprachen wichtig sind, habe ich grosse Achtung vor der Leistung, die von allen erbracht wurde und noch immer wird.

 

Franziska Beer hat unser Schiff mit dem ganzen Team durch die unruhigen Zeiten kompetent, aufmerksam und mit viel Empathie geführt. Mit Leidenschaft und einem grossen Engagement hat sie ihr erstes Jahr als Geschäftsleiterin bravourös gemeistert. Die herausfordernden und vielseitigen Aufgaben hat sie angepackt und mit ihren Mitarbeitenden stets nach besten Lösungen gesucht und sie gefunden. Franziska Beer arbeitet stets
daran, den Mitarbeitenden eine Stimme zu geben und ihre Anliegen ernst zu nehmen. Dafür danke ich im Namen des Vorstandes herzlich.

 

Ein grosses Dankeschön geht an alle Mitarbeitenden. Es ist immer wieder eine Freude zu sehen, wie engagiert und lösungsorientiert in den oft sehr schwierigen Ausgangslagen nach Lösungen gesucht wird und sie auch gefunden werden. Dank dieser wertvollen Arbeit können wir Kindern und Jugendlichen Sicherheit geben und ihnen aufzeigen, wie wichtig sie als Person sind und dass sie Anrecht auf einen angenehmen Platz in unserer
Gesellschaft haben.

 

Wir sind froh über die offene und wertschätzende Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Institutionen. Wir bauen auf ein Fundament, das geprägt ist von Wertschätzung, Offenheit, Visionen und Flexibilität. Es gibt kaum eine Situation, die einer anderen gleicht. Für die Hilfesuchenden ist es wichtig, dass sie situationsbedingt unterstützt werden. Es darf nicht nach einem Giesskannensystem funktionieren. Das wäre viel weniger zielführend und auch kostspieliger. Das zeigt auch, wie wichtig eine langfristige Perspektive auf die eingesetzten finanziellen Mittel ist. Individuell angepasste, sorgfältig ausgewählte und hohen Qualitätsansprüchen genügende Investitionen in Kinder und Familien zahlen sich langfristig aus. Es geht um Biografien von zukünftigen Erwachsenen und deren Familien. Ich hoffe, dass wir alle aus der Vergangenheit gelernt haben und nie mehr Kinder und Jugendliche extern platzieren, ohne die definierten Qualitätsansprüche einzuhalten. Diese Forderungen sind anfangs kostenintensiv, sie werden sich langfristig aber in verschiedenster Hinsicht lohnen.

 

Ein spezieller Dank geht an die Dienststelle Soziales und Gesellschaft (DISG). Die Zusammenarbeit mit den für uns zuständigen Personen war angenehm, fordernd und zielführend. Wir sind sehr froh über den stets guten Dialog, den wir führen können und hoffen weiterhin auf eine offene und transparente Zusammenarbeit.

 

Dem Zweckverband für institutionelle Sozialhilfe und Gesundheitsförderung (ZiSG) danken wir ebenfalls für die konstruktive Zusammenarbeit und das Vertrauen. Ein weiterer Dank gebührt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der verschiedenen Partner, besonders den Kantonen Luzern und Zug, den Gönnerinnen und Gönnern und den Stiftungen.

 

Der Vorstand dankt allen Patronatsmitgliedern für die ideelle Unterstützung und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit.

 

Das Jahr 2020 war auch für mich persönlich ein Spezielles. Nach 12 Jahren werde ich an der nächsten Mitgliederversammlung das Amt als Präsidentin abgeben. Ich erinnere mich an meinen Einstieg. Ich hatte grossen Respekt vor dieser Arbeit. Dank der sehr guten Organisation und der wertvollen Unterstützung durch den damaligen Geschäftsführer, Stephan Immoos, erhielt ich schon bald einen umfangreichen Einblick in die anstehenden Arbeiten des Präsidiums. Einen Vorstand zu haben, der in allen Geschäften unterstützend und wertschätzend wirkte, war eine grosse Erleichterung.

 

Rückblickend gab es viele Herausforderungen zu bewältigen. Sich für die Institution im Sinne unseres Leitbildes einzusetzen, war für mich sehr sinnstiftend und hat mir sehr viel Freude bereitet. Ich werde die Arbeit mit der Fachstelle Kinderbetreuung Luzern und dem Vorstand in bester Erinnerung behalten und sicher auch ab und zu vermissen. Als engagierte fünffache Grossmutter darf ich weiterhin mit und für Kinder arbeiten. Ich erachte es als ein grosses Geschenk, junge Familien zu unterstützen und mit ihnen einen Teil ihres Lebens zu gehen.

 

Abschliessen möchte ich mit einem besonderen Dank an den Vorstand. Wir konnten offen und ehrlich diskutieren, unsere Meinungen einbringen, gemeinsam entscheiden und Wege einschlagen. Ich wünsche dem Vorstand weiterhin gutes Arbeiten und viele spannende und bereichernde Momente. Ich bin überzeugt, dass sie mit unserer Geschäftsleiterin weiterhin eine wertschätzende und integre Zusammenarbeit pflegen.

 

Der Vorstand konnte eine starke Persönlichkeit finden, die bereit ist, das Präsidium zu übernehmen. Ich bin überzeugt, dass die Mitgliederversammlung ihrer Wahl mit Freude zustimmen wird.

 

«Unser Leben gleicht einer Reise ... und so scheint mir die Reise weniger ein Abenteuer und Ausflug in ungewöhnliche Bereiche zu sein als viel mehr ein konzentriertes Abbild unserer Existenz ...», Annemarie Schwarzenbach, «Die Steppe» 1939

 

Mit diesem Gedanken bedanke ich mich bei allen, die mit mir diese Reise in den letzten 12 Jahren mitgestaltet und mitgetragen haben.

 

Monika Pfister-Wüest
Präsidentin Pflegekinder-Aktion Zentralschweiz

 


Bericht Fachstelle Kinderbetreuung Luzern 2020

Austritt von Pflegekindern

Abbruch – Umbruch – Rückkehr – Austritt – Wechsel – Abschluss – Neustart – Wiederbeginn

 

Und sicher gibt es noch mehr Begriffe, welche ein besonderes biografisches Ereignis im Leben von Kindern und Jugendlichen beschreiben, welche zeitweise oder dauerhaft in einer Pflegefamilie oder einem Heim leben. Meist sind damit die Wechsel von den Eltern in eine Pflegefamilie/Heim oder wieder zurück zu den Eltern gemeint, manchmal auch aus einer Pflegefamilie in eine Institution oder vice-versa.

 

Die Ereignisse hinter diesen Worten haben für Kinder lebensprägende, langfristige Dimensionen und entsprechende Auswirkungen. Es prägt ihre Zukunft in Partnerschaften, bei der Familiengründung, in ihren Geschwisterbeziehungen, im Freundeskreis und vor allem in ihrem Selbstverständnis vom Leben und von ihrer Selbstwirksamkeit und Gestaltungsmacht, um die eigenen Bedürfnisse zu leben.

 

Dieses Ereignis geht einher mit Wechsel von Vertrautem und/oder Belastendem auf allen Ebenen, sei es örtlich, in den Beziehungen, geruchs- und gefühlsmässig, in der Schule und Freizeit, bei Familienritualen und -regeln und einiges mehr. Einige unserer Pflegekinder in der Notaufnahme erleben erstmals ein Gefühl von Geschützt-sein, Umsorgt-sein, Sicherheit. Pflegekinder, die wieder zu ihren Eltern zurückkehren, erleben im besten Fall ein intensives Gefühl von biografischer Zugehörigkeit und Normalität.

 

Aus den Forschungen der Universität Siegen und London sowie der ZHAW Zürich zum Thema Abbrüche in Pflegeverhältnissen1 habe ich zwei wichtige Dinge gelernt:

 

  1. Es ist die Deutungshoheit des einzelnen Menschen, welches Wort und welche Beschreibung in der Retrospektive für die erlebte Situation zutrifft.
  2. Fast immer benutzen die an derselben Situation beteiligten Menschen andere Wörter respektive Deutungen für das gleiche Ereignis: Spricht die Fachperson von Abbruch sagt das erwachsene ehemalige Pflegekind: „Endlich kam ich damals an einen Ort, an dem es mir wohl war“ und spricht von Neubeginn oder „dem 1. glücklichen Tag in meinem Leben“ und meint damit den Eintritt in die Pflegefamilie. Oder das Pflegekind empfindet den Wechsel von der Pflegefamilie ins Heim als Abbruch, die Pflegeeltern und die Berufsbeiständin nennen es Umplatzierung und Neustart im Interesse des Kindes.

 

Das Spezielle an dieser Forschungsstudie war: Die Stimmen der Pflegeeltern und der Pflegekinder wurden erstmals systematisch und konsequent einbezogen, in ihrer Direktheit ernstgenommen und entsprechend verarbeitet. Eindrücklich ist deshalb zu lesen, wie Pflegekinder später als Erwachsene unser Kinder- und Jugendhilfesystem betrachten, oftmals sehr kritisch betrachten:

 

1 Thomas Gabriel/Renate Stohler, Hrsg. (2020). Abbrüche von Pflegeverhältnissen im Kindes- und Jugendalter, Beltz: Weinheim Basel

 

Ich wurde nicht gehört, ich konnte mich nicht einbringen, meine Beiständ:innen wechselten sehr oft, ich hatte kein Vertrauen mehr, meine Bezugsperson der Pflegekinderorganisation hat ja sowieso nur die Pflegeeltern unterstützt und nicht mich, immer musste ich zu meinen Eltern, dabei wollte ich bei der Pflegefamilie und meinen Freund:innen sein, etc.

 

Und auch die guten Erlebnisse:

 

Und wieder kam eine neue Beiständin, aber diese hat mich nach meinem sehnlichsten Wunsch gefragt und das habe ich ihr gesagt und ein paar Monate später war es dann auch soweit und ich musste weniger oft zu meiner Mutter oder ich durfte wieder ganz zu meiner Mutter zurückkehren oder ich konnte meinen Bruder treffen, etc.

 

Die Aussagen sind vielfältig und die Lektüre lohnt sich!

 

«Das Pflegeverhältnis ist endlich – die Beziehung zwischen Pflegefamilie und ehemaligem Pflegekind soll weitergepflegt werden, wenn beide Seiten dies wünschen.», Auszug aus unserem Konzept, Grundhaltung Austrittsprozess, Fachstelle Kinderbetreuung Luzern

 

1 Thomas Gabriel/Renate Stohler, Hrsg. (2020). Abbrüche von Pflegeverhältnissen im Kindes- und Jugendalter, Beltz: Weinheim Basel

 

Austritt von Mitarbeitenden

Auch bei unseren Mitarbeitenden gibt es (biografische) Wechsel im Leben wie zum Beispiel den Austritt bei uns. Für einmal widmen wir uns diesem Thema: Wieso gibt es einen Berufs- resp. Arbeitsplatz-Wechsel? Dazu haben wir vier Fragen an drei Mitarbeitende gestellt:

 

  • Esther Ehrler – Familienarbeiterin – 2016 bis 2020
  • Christina Christen – Mitarbeiterin in der Administration – 2015 bis 2020
  • Martina Schär – Pflegemutter Notaufnahme – 2012 bis 2020

 

Hören und Sehen Sie sich die vollständigen Interviews der drei Mitarbeitenden auf unserem YouTube Kanal an.

 

Wie beschreibst du in deinen eigenen Worten die Fachstelle Kinderbetreuung Luzern?

  • «Die Fachstelle Kinderbetreuung Luzern ist ein Ort, der das Kind ins Zentrum setzt. Ein Ort, der sehr vielfältig ist – mit ganz verschiedenen Facetten des Lebens und immer wieder für Überraschungen gut ist. Ein prägender Ort, auch für mich ganz persönlich.» Esther Ehrler, Familienarbeiterin
  • «Kurz und knackig: Eine gute Sache. Ein sicherer Hafen für ganz viele Kinder, die es in bestimmten Situationen und Lebensphasen nicht ganz einfach haben.» Christina Christen, Mitarbeiterin in der Administration
  • «Spannend, herausfordernd und ganz viele lustige und schöne Begegnungen.» Martina Schär, Pflegemutter Notaufnahme

 

Was war für dich das Beste an der Anstellung bei uns?

  • «Die vielen neuen Erfahrungen, die verschiedenen Begegnungen mit den Familien auf der persönlichen Ebene. Einblick zu haben in die persönliche Lebenswelt der Menschen. Das finde ich sehr horizonterweiternd, prägend und macht manchmal ein Stück weit demütig.» Esther Ehrler, Familienarbeiterin
  • «Dass ich als Mitarbeiterin ohne soziale Ausbildung ein Teil einer sozialen Einrichtung sein durfte und mit meiner Arbeit etwas bewirken konnte, das jemandem wirklich etwas hilft – auf einer sozialen Ebene, einem Kind, einer Familie.» Christina Christen, Mitarbeiterin in der Administration
  • «Dass wir mit Kindern Kontakt hatten – länger oder weniger lang – mit denen wir heute noch Kontakt haben – die aber heute im Ausland leben. Das ist unglaublich schön.» Martina Schär, Pflegemutter Notaufnahme

 

Was hat dich am Meisten herausgefordert in deiner Anstellungszeit bei uns?

  • «Das Nicht-Willkommen-Sein bei Familien, die eine ambulante Familienunterstützung nicht freiwillig wollten, sondern ihnen diese aufgezwungen wurde. Es war jedoch auch eine spannende Herausforderung für mich, dafür zu sorgen, dass man dann irgendwann doch in der Familie willkommen war.» Esther Ehrler, Familienarbeiterin
  • «Der Spagat zwischen wirtschaftlich und sozial Denken.» Christina Christen, Mitarbeiterin in der Administration
  • «Manchmal die schriftlichen Sachen wie Berichte schreiben. Da dachte ich manchmal, oh ist das streng.» Martina Schär, Pflegemutter Notaufnahme

 

Würdest du wieder bei uns arbeiten, wenn ja, was macht es aus?

  • «Das ist eine schwierige Frage. Aktuell eher nicht, da ich in meinem jetzigen Job eine Arbeit in einem anderen Bereich gefunden habe, der mich sehr begeistert.» Esther Ehrler, Familienarbeiterin

  • «Ich würde definitiv wieder bei der Fachstelle Kinderbetreuung Luzern anfangen – dann müsste ich aber in die Nähe ziehen, um einen kürzeren Arbeitsweg zu haben.» Christina Christen, Mitarbeiterin in der Administration
  • «Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir zu einem späteren Zeitpunkt wieder Pflegeeltern sein werden. Aktuell passt es nicht in unsere Lebenssituation mit drei eigenen Teenagern, die jetzt ins Leben hinausgehen. Ich geniesse die Freiheit, die ich jetzt wieder habe, könnte es mir zu einem späteren Zeitpunkt aber wieder gut vorstellen.» Martina Schär, Pflegemutter Notaufnahme