Aus- und Fortbildungsprogramm


Ausbildungsseminar für angehende Pflegeeltern

Im Ausbildungsseminar nehmen jeweils etwa 10 Pflegeelternpaare teil. Nach unserem umfassenden Bewerbungsverfahren mit mehreren Gesprächen auf der Geschäftsstelle und bei den Bewerber/innen zu Hause, besuchen die ausgewählten Pflegeeltern unsere interne Ausbildung als Vorbereitung für die Aufnahme eines Pflegekindes. Nach der Ausbildung besuchen die Pflegeeltern die Fortbildungen. Ein Teil der Fortbildungen sind vorgegeben, ein Teil wählen die Pflegeeltern selber.

 


Fortbildungsprogramm für Pflegeeltern

Als Beispiel für unsere Fortbildungen sehen Sie hier einen Überblick über die Veranstaltungen und Reflexionstage im letzten Jahr:

 

Interkulturell Zusammenleben – So gelingt die Aufnahme eines Pflegekindes mit Migrationshintergrund

Frau Oppliger-Acemoglu / Primarlehrerin, Sozialwissenschaftlerin, Mediatorin, Fachmitarbeiterin Bildung und Beratung, FABIA-Fachstelle für die Beratung und Integration von Ausländerinnen und Ausländer

Das Referat zum Thema „Interkulturell Zusammenleben“ gab Auskunft darüber, wie Pflegekinder mit Migrationshintergrund kultursensibel begleitet werden können und wie die Zusammenarbeit mit den leiblichen Eltern gelingen kann. Durch den Austausch in kleinen Gruppen und Diskussionen, erhielten Pflegeeltern Tipps, wie sie sich gegenüber von Pflegekindern und Familien mit Migrationshintergrund professionell verhalten können und welche Stolpersteine dabei besonders beachtet werden müssen.

 

Der friedliche Krieger/die friedliche Kriegerin – Konfliktintelligenz in der Arbeit mit Kinder

Marcel Schriber / dipl. Arbeitsagoge, Budopädagoge, Aikidolehrer 5. Dan Aikikai

Fühlen (sich selbst und andere spüren), Ausrichtung (eigene Haltung, verschärfte Sinne, Platz zum Gegenüber/dem Leben) und Beziehung (Kontakt, Beziehung und Kommunikation) bilden die drei wesentlichen Säulen, welche das Fundament der Präventionsarbeit in den Kunstrichtungen Aikido und Gigong sind. Am Referat „Der friedliche Krieger/die friedliche Kriegerin“ konnten Pflegeeltern und ihre Pflegekinder in zwei Altersgruppen durch Aikido, Qigong, Tai Chi, Rollenspiele, Gruppenarbeit, Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Kommunikationsspiele, die eigenen sozialen-, emotionalen- und kommunikativen Kompetenzen stärken und fördern. Sie erarbeiteten gemeinsam einen konstruktiven Umgang mit Ärger, Wut und Konflikten und erweiterten ihr Handlungsrepertoire und ihre Problemlösungskompetenzen.

 

Mit Figurenspiel Seelen heilen – Spiel als Sprache von Kindern

Regina Bosshard Vogel / Figurenspieltherapeutin, Psychologische Beraterin

Rollenspiele helfen Kindern, die Welt zu begreifen. Für sie ist es eine Möglichkeit, Erlebtes bildhaft auszudrücken. Im therapeutischen Figurenspiel stellt das Kind seine Figuren selbst her. Mit diesen und anderen Figuren werden nach Anleitung des Kindes Szenen gespielt, deren Verlauf alleine von ihm bestimmt wird. Das Kind kann anhand des Spiels seinen seelischen Zustand ausdrücken und sich dadurch mit dem Erlebten auseinandersetzen. Im Referat „mir Figurenspiel Seelen heilen“ erhielten Pflegeeltern eine Einführung in die Figurentheaterwelt und die Figurenspieltherapie. Sie fertigten einfache Spielfiguren an und erfuhren durch Inputs, Fragen und Übungen, welche Möglichkeiten sich durch Figurenspiel in der Bewältigung von schwierigen Situationen ergeben.

 

Quellensuche – Was nährt meinen inneren Halt, damit ich für andere äusserer Halt sein kann?

Marc Getzmann / Sonderpädagoge und Kontemplationslehrer

Pflegeeltern stellen ihren eigenen Lebenskontext als Orientierung für die begleiteten Pflegekinder zur Verfügung. Dazu gehört, den Pflegekindern einen ihnen zugewandten, sicheren und klaren Entwicklungsrahmen zu geben. Dies bedingt neben Präsenz, Verbindlichkeit, Klarheit, Humor, etc. auch die Bereitschaft, Reibungs- und Auseinandersetzungsfläche zu sein, was Kraft, Geduld und Zuversicht erfordert. Am Reflexionstag zum Thema „Quellensuche“ konnten die teilnehmenden Pflegeeltern durch Visualisierung, Austausch in kleinen Gruppen, Körperarbeit und Diskussionen, Kontakt zu den eigenen Quellen und Ressourcen finden um diese im Alltag abrufen zu können.

 

Unser Pflegekind hat suchtkranke Eltern – Was bedeutet das für uns als Pflegeeltern im Alltag?

Beatrix Martig / Dipl. Sozialpädagogin HSL, Abteilungsleitung Ambulante Angebote Fachstelle Kinderbetreuung

Für Kinder sind suchtkranke Eltern oft unberechenbar in ihrem Verhalten und ihrer Zuwendung. Dies führt oft dazu, dass Kinder versuchen, Situation mit den Eltern durch ihr eigenes Verhalten zu stabilisieren. Am Reflexionstag „Unser Pflegekind hat suchtkranke Eltern“ erhielten die teilnehmenden Pflegeeltern ein vertieftes Verständnis für die Auswirkungen von Sucht auf die Eltern-Kind-Beziehung. Durch die Auseinandersetzung mit der Situation der eigenen Pflegekinder in kleinen Gruppen und das Nachstellen von Szenen, gelang es den Teilnehmenden, mögliche Zusammenhänge zwischen den Verhaltensweisen ihres Pflegekindes und der Suchterkrankung der leiblichen Eltern zu erkennen. Durch das Ausprobieren verschiedener Interventionsmöglichkeiten, fühlten sich die Teilnehmenden ermutigt, im Alltag mit ihren Pflegekindern neues auszuprobieren und sich mit konkreten Situationen auseinanderzusetzen.

 

Aneinander wachsen – Systemische Strukturaufstellung für Familienthemen

Dr. Marco Ronzani / Rechtsanwalt, Mediator SAV/SDM, Coach und Organisationsberater BSO, Basel

Anliegen im Zusammenhang mit Pflegekindern, -eltern und -familien bedürfen der intensiven Aufmerksamkeit. Konflikte in der Kindergemeinschaft brauchen bei deren Lösung die Mithilfe der Erwachsenen. Am Reflexionstag zum Thema „Aneinander wachsen“ wurden anhand der systemischen Strukturaufstellung Lösungen für konkrete Familienthemen von Pflegeeltern entwickelt. Unter Anleitung wurden Themen von AnliegenbringerInnen aufgestellt, mit den Zielen, Probleme, Rätsel und Konflikte aufzulösen, Ziele und Lösungen zu entwickelt, Entscheidungen bei Dilemmas zu finden oder Stärkung bei Schwächen oder Energielosigkeit herbeizuführen.

 

Frühe Kindheit und Elternschaft in Pflegefamilien – Alterstypische und spezifische Entwicklungsthemen zwischen 0 und 6 Jahren und ihre Bedeutung für eine gute Pflegebeziehung

Maria Mögel / Mitarbeiterin des Marie Meierhofer Institut Zürich, Kinderpsychotherapeutin, Supervisorin, Lehrbeauftragte

Forschungsergebnisse zur frühen Kindheit, insbesondere zu Bindung und gesunder Gehirnentwicklung, unterstreichen immer wieder die Bedeutung früher Beziehungserfahrungen. Bei in Obhut genommenen Kindern eröffnen sich daraus vielfach Fragen wie „gelten die Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie in der frühen Kindheit auch für Säuglinge und Kleinkinder in Pflege?“, „haben diese besondere Bedürfnisse?“, „welche Bedeutung haben die Pflegeeltern für ein sehr kleines Kind?“. Das Referat „Frühe Kindheit und Elternschaft in Pflegefamilien“ brachte den Pflegeeltern Forschungsergebnisse und Praxisbeispiele zu Meilensteinen der frühen Entwicklung näher. Im Austausch in kleinen Gruppen und anschliessenden Diskussionen, konnten typische Beziehungs- und Erziehungssituationen gemeinsam besprochen werden.

 

Humor in der Erziehung – Wege zum lustvollen und heiteren Lernen

Cornelia Schinzilarz / Humorexpertin, Supervisorin, Theologin und Buchautorin

Lachen, Spass und Freude miteinander haben, verbindet jede Gruppe in jeder Situation. Wenn die Erwachsenen ihre Wahrnehmung auf Ressourcen ausrichten, die Kinder und Jugendliche und auch die Eltern selber haben, werden Wege und Massnahmen möglich, um die verschiedenen erzieherischen Herausforderungen mit Kindern und Jugendlichen humorvoll zu gestalten. Am Referat „Humor in der Erziehung“ wurde Pflegeeltern deutlich gemacht, wie mit Irritation, Witz und Überraschung mit Frustration, Enttäuschung und Wut lustvoll umgegangen werden kann. Durch den Wechsel von Inputs, Fragerunden und konkreten Übungen, wurden Wege zum lustvollen und heiteren Lernen thematisiert.


Fortbildungsabende in den Pflegeelterngruppen

Erfahrungsaustausch und Fortbildung sind die Elemente der Fortbildungsabende in den Pflegeelterngruppen. Aktuelle Themen können in einer vertrauten Gruppe behandelt werden. Es gab Veranstaltungen zu folgenden Themen: eigene Kinder der Pflegefamilie, Handhabung des Beobachtungsbogens, Kreativität usw.


Praxis- und Erziehungsberatung

Diese Beratungen sind wichtige Bestandteile der Zusammenarbeit von Pflegeeltern und der pädagogischen Leitung. Sie finden regelmässig entweder auf der Geschäftsstelle oder bei den Pflegeeltern zu Hause statt.


Pflegefamilientage

Die Pflegefamilien-Tage sind eine Veranstaltungsform mit Tradition, die einen unbeschwerten, spielerischen Kontakt zwischen Pflegeeltern, eigenen Kindern der Pflegefamilien, Pflegekindern und pädagogischen Leitungen ermöglicht.